EsjeHerb

In dieser ersten Folge der ASC Newsletter-Kolumne werde ich (@EsjeHerb) nützliches Wissen rund um die Ernte von Cannabis vermitteln. Ich werde Euch einige persönliche Ansichten mitteilen, sowie Tipps und Tricks. So dass Ihr dann hoffentlich am Ende mit Cannabis in Connoisseur-Qualität dastehen werdet: Absolutem Premium-Cannabis. Für unseren zweiten Newsletter plane ich bereits, einige persönliche Geheimtipps für die Phase nach der Ernte zu liefern und Ratschläge zur Veredlung von Cannabisblüten zu geben. Ich bin sicher, dass Ihr erstaunt sein werdet angesichts der Dinge, die man mit Ernteresten noch anfangen kann, #TrimRosin, #CannabisCoconutOil, #HERBSstrips, #IceWax und vieles mehr - also schön weiterlesen!

Erntezeit

Wenn Deine Buds (Blütenstände) groß, saftig und reif sind und sich an ihnen die schönen Farben des Herbsts zeigen, dann weißt Du, dass es mal wieder an der Zeit ist, das alljährliche HIGHlight steht wieder an: Die Erntezeit!

Die Zeit ist gekommen, die Früchte Deiner Arbeit zu genießen... Nun ja, eigentlich ist die Zeit erst fast gekommen, denn noch bist Du ja nicht am Ziel. Es gibt da einige Schritte bzw. Aspekte während der Erntezeit, die Du beherzigen solltest, bevor Dein Gras fertig für den Konsum ist. Ich möchte die Bedeutung dieser Schritte unterstreichen, denn sie sind entscheidend für die Qualität des Endproduktes. Wenn sie korrekt durchgeführt werden (mit etwas Liebe, Sorgfalt und Geduld), wird Deine Ernte zu einem Erfolg, aber wenn Du Dich Hals über Kopf in diese finale Phase stürzst, wird Dein Gras einen Verlust an Geschmack, Geruch, Wirkung und äußerer Attraktivität erleiden. Alle Deine Bemühungen während der Wachstums- und Blütephase werden vergeblich gewesen sein, wenn Du nicht genügend Zeit und Mühe in Deine Erntearbeit und das, was danach kommt, investierst. Was sind dies also für Schritte? Ich werde sie hier aus meiner persönlichen Sicht und Fachkenntnis heraus schildern. 

Wann sind die Blüten reif? Die Trichom-Köpfchen

Zu erkennen, wann Cannabispflanzen erntereif sind, ist von essenzieller Bedeutung, da die maximale Potenz erreicht wird, wenn die Pflanzen vollreif sind. Der Geschmack, der Geruch und die Wirkung hängen sehr vom richtigen Erntezeitpunkt ab. Zwischen reifen und unreifen Buds bestehen beträchtliche Unterschiede in Sachen Qualität und Potenz. Der richtige Erntezeitpunkt ist zum einen sortenspezifisch verschieden, hängt zum anderen aber auch von persönlichen Vorlieben ab (wie z. B. auch die Frage, ob man sehr reife oder weniger reife Bananen bevorzugt) – Denk daran, dass das Ganze keine präzise Wissenschaft ist, Versuch und Irrtum sind der Schlüssel zur Ermittlung des perfekten Erntezeitpunkts. Worauf muss man also achten? Wie viele Blütenkelch-Narben sich von weiß zu rot/braun verfärbt haben? Oder ob die Laubblätter herbstliche Farben angenommen haben? Nein! Der einzig wahre Indikator zur Bestimmung maximaler Reife ist die Farbe der Trichome bzw. Trichom-Köpfchen. Aber was ist ein Trichom und was sind Trichom-Köpfchen? Und wie findet man sie? Das einzige, was Du brauchst, um sie zu lokalisieren, ist eine Lupe oder ein Mikroskop. Wenn Du Dir die Oberfläche der Cannabisblüten und –blütenblätter mit einem Mikroskop genau anschaust, wirst Du eine Harzschicht sehen. Diese Harzschicht besteht aus einer Ansammlung vieler Trichome. Ein Trichom ist eine Harzdrüse und besteht aus einem Stiel und einem kugelförmigen Tropfen obendrauf (siehe Bild). Allein in diesem Tropfen, dem Trichom-Köpfchen, sind die essenziellen Öle enthalten. Was bedeutet, dass die Terpene und Cannabinoide, von deren Konzentration die Potenz der Cannabispflanze abhängt, nur in den Drüsenköpfchen enthalten sind. Falls Ihr nicht wissen solltet, was Terpene sind: Terpene sind organische Verbindungen, die für das Aroma und Geschmacksprofil einer Cannabissorte verantwortlich sind. Wir halten also fest, dass einer der wichtigsten Gesichtspunkte bei der Cannabisernte die Trichom-Köpfchen sind, weil diese der einzige Pflanzenteil sind, in dem sich die psychoaktiven Substanzen befinden.  

Die Farbe dieser Drüsenköpfchen zeigt an, ob die Entwicklung der Cannabinoide und Terpene maximale Potenz erreicht hat. Grundsätzlich kann man zwischen drei verschiedenen Harzdrüsenfarben unterscheiden: Abhängig vom Reifegrad variiert die Farbe zwischen klar/durchsichtig, milchig-trüb und bernsteinfarben. Eine klare Farbe deutet auf unreife Cannabisblüten hin, wenn man durch die Trichom-Köpfchen sehen kann, sind darin keine psychoaktiven Substanzen enthalten. Eine milchig-trübe Drüsenfarbe ist bei Cannabisblüten gegeben, die fast reif sind. Diese weißliche Farbe zeigt an, dass sich zwar bereits psychoaktive Substanzen gebildet haben, die maximale Reife und Potenz jedoch noch nicht erreicht ist. Manche Leute schreiten bereits in diesem Stadium zur Ernte – wie ich zuvor bereits erwähnt habe, ist es eine Frage der persönlichen Vorliebe, wann man ernten möchte. Denn die zwei verschiedenen erntefähigen Stadien der Reife (milchig-trübe oder bernsteinfarbene Drüsenköpfchen) gehen auch mit einer jeweils verschiedenen Wirkung des konsumierten Cannabis einher. Bernsteinfarbene Trichom-Köpfchen sind ein Indikator für maximale Reife, dafür, dass eine Pflanze definitiv erntereif ist. Um maximale Potenz zu gewährleisten, empfehle ich, die Ernte zu vollziehen, wenn mindestens 50% der Drüsenköpfchen trüb und 20-30% bernsteinfarben geworden sind. Es sollten also so wenig klarfarbene Köpfchen wie möglich übrig bleiben.

Manicuring

Der Erntevorgang

Nun da Du dank der Drüsenköpfchen-Betrachtung weißt, wie Du entscheiden kannst, ob eine Cannabispflanze geerntet werden sollte, können wir mit der Ernte beginnen. Hierfür sind entsprechende Vorbereitungen wichtig, Du musst Deine Pflanze für die Ernte vorbereiten. Einige Tage vor der geplanten Ernte solltest Du (beim Anbau auf Erde) das Bewässern einstellen - ich bevorzuge es, wenn eine Pflanze die Bodenfeuchtigkeit weitgehend aufgebraucht hat, so dass die Erde ziemlich trocken ist. Zudem sollte die Luftfeuchtigkeit nicht mehr als 60% betragen. Also sollte man 2-3 Tage vor der Ernte mit dem Gießen aufhören. An diesem Punkt muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob man die Buds im frischen, noch nassen oder erst später in getrocknetem Zustand beschneiden bzw. maniküren möchte. Weil diese Entscheidung Einfluss auf den gesamten Erntevorgang hat. Wenn Du Dich für eine Nassverarbeitung entscheidest, bedeutet das, dass Du die Buds komplett manikürst und anschließend zum Trocknen aufhängst. Falls Du Dich aber für eine Trockenverarbeitung entscheidest, wird bei der Ernte die gesamte Pflanze knapp über dem Boden abgeschnitten und kopfüber zum Trocknen aufgehängt. Erst, wenn später die Pflanze getrocknet ist, werden die einzelnen Buds manikürt, also von überschüssigem Blattmaterial befreit.

 

Trockenverarbeitung vs. Nassverarbeitung

Langsamerer Trocknungsprozess

Schnellerer Trocknungsprozess

Schwieriger zu maniküren (längere Verarbeitungszeit)

Leicht zu maniküren (kürzere Verarbeitungszeit)

Die Harzdrüsen fallen im getrockneten Zustand leicht ab

Harzdrüsen fallen nicht ab

 Wet or Dry Trim 

Der “Haarschnitt”: Das Maniküren von Cannabis

 

Die Art, wie Du Deine Cannabisblüten beschneidest bzw. manikürst, hängt davon ab, welche Methode Du zuvor ausgewählt hast: Trockenverarbeitung oder Nassverarbeitung. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass die Nassverarbeitung leichter vonstatten geht und auch schneller erledigt ist als eine Trockenverarbeitung. Aber man muss auch wissen, dass das bei der Nassverarbeitung das Endprodukt weniger geruchliche und geschmackliche Qualität aufweist. Die Trockenverarbeitung sorgt hingegen für einen optimalen Geschmack und Geruch, weil die Trocknung länger dauert, der Trocknungprozess geht langsamer und schonender vonstatten (es dauert ca. zwei Wochen, bis die ganze Pflanze getrocknet ist), so dass weniger Terpene verdunsten. Bei der Trockenverarbeitung kann man deutlich sehen, wie sich die Blütenblätter (also jene kleinen, mit Harzdrüsen besetzten Blättchen um die Blütenkelche herum) während der Trocknung schützend über die Blüten legen. Wohingegen ein „nackter“ Bud bei der Nassverarbeitungsmethode schneller trocknet, weil er weniger zu trocknendes Blattmaterial aufweist. Frisch-nasse Buds zu beschneiden, ist einfacher, weil die Blütenblätter waagerecht aus den Blüten herausragen und sich nicht getrocknet um diese herumkräuseln, so dass man sie leichter abschneiden kann. Genau wie die Sache mit dem bevorzugten Reifegrad hängt auch die Wahl der Verarbeitungsmethode - nass oder trocken - von der persönlichen Vorliebe ab. Ich persönlich bevorzuge die Trockenverarbeitung, die zwar mehr Zeit und Aufwand erfordert, den Grower dafür aber mit einem besseren Geschmack, Geruch und meiner Meinung nach auch einer besseren Wirkung belohnt. Für das Maniküren benötigst Du eine Schere, wobei manche Leute das auch mit den bloßen Händen erledigen, was aber nur bei der Trockenverarbeitung funktioniert. Ich empfehle Scheren mit Sprungfeder, weil sie sich nach dem Schließen von selbst wieder öffnen. Bevor Du mit dem eigentlichen Maniküren beginnst, solltest Du die großen Laubblätter von den Zweigen entfernen. Dann solltest Du die Zweige einzeln vom Stamm abnehmen, so dass Du sie einzeln verarbeiten kannst, das ist die effizienteste Verarbeitungsmethode. Danach kannst Du mit dem Entfernen bzw. Beschneiden der Blütenblätter der noch am Zweig befindlichen Buds beginnen. Schneide die überstehenden Blütenblätter so zurück, dass sie gleichmäßig auf Linie kommen, die Buds nach außen mit einer geraden Kante abschließen.  Dann schneidest Du die einzelnen Buds vom Zweig ab.

 

Das Trocknen von Cannbisblüten 

Buds so zu trocknen, dass sie am Ende einen perfekten Geruch und Geschmack aufweisen, ist eine Kunst für sich. Es ist ein schmaler Grat zwischen einer zu schnellen Trocknung (die zu einem Verlust an Geruch und Geschmack führt) und potenziellen Schimmelproblemen infolge einer zu langsamen Trocknung. Meiner Erfahrung nach kann dieser Teil der Ernteverarbeitung Dein Gras entweder großartig werden lassen oder ruinieren. Neben der Genetik und der Temperatur spielt hierbei auch die Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle. Ich empfehle eine Feuchtigkeit von 50-55% und Temperaturen zwischen 15-21°C. Falls Du Dich für die Nassverarbeitung Deiner Buds entschieden hast, sollten sie nach dem Maniküren in ein Trockennetz gelegt werden und nach ungefähr neun Tagen fertig getrocknet sein. Für die Trockenverarbeitung sollten die Pflanzen für ca. 14 Tage kopfüber aufgehangen werden. Die Trocknung sollte im Dunkeln stattfinden, so dass die Photosyntheseaktivität der Pflanzen zum Erliegen kommt. Wenn man die Luftfeuchte unter 50% hält, wird das Risiko eines Schimmelbefalls gemindert, zudem ist es notwendig, dass zwischen den Buds ein Luftzug zirkuliert. Wenn Du nicht genügend Zeit und Mühe in die Trocknung investierst, wird Dein Gras gehobenen Qualitätsansprüchen nicht gerecht werden können, selbst dann nicht, wenn Du wunderschöne Cannabispflanzen angebaut hast. Das Ziel muss lauten, am Ende krass gut riechende Buds zu erhalten! Wenn Du bei der Trocknung aber schluderst, wirst Du Cannabisblüten produziert haben, die zwar womöglich gut aussehen, aber über keinen ansprechenden Geruch und Geschmack verfügen. Gehe die Trocknung mit Liebe, Sorgfalt und Geduld an, und Du wirst über das Endergebnis staunen. Nach dem Trocknen kannst Du sogar noch einen Schritt weiter gehen, um die Potenz und das Aroma zu perfektionieren, indem Du Deine Buds veredelst. Geruch, Geschmack und Wirkung profitieren von einer sorgfältigen Veredlung, ich kann es bezeugen!

Die Veredlung

Die Veredlung bzw. Nachbehandlung ist der letzte, aber sicherlich nicht der unwichtigste Teil der Ernteverarbeitung. Beim Veredeln von Cannabisblüten geht es darum, den Feuchtigkeitsgehalt der Buds zu optimieren. In unserem zweiten Newsletter werde ich Euch näher an dieses Thema heranführen.